Indianisches Horoskop
Der Oberbegriff „Indianische Astrologie“ beinhaltet verschiedene Überlieferungen verschiedener Stämme nordamerikanischer Indianer. Das bedeutet, dass es „das“ indianische Horoskop nicht gibt, sondern entweder das Horoskop des einen oder des anderen Stammes. Das indianische Horoskop kann man in seiner Herleitung bzw. Berechnung auch nicht mit dem westlichen Horoskop vergleichen. Letztendlich ist es nicht einmal Astrologie, denn man sagt hier nicht anhand der Konstellation der Sterne die Zukunft voraus. Die Sterne sind nur insoweit mit einbezogen, weil die Überlieferung besagt, dass jedes Licht am Himmel eine Seele ist. Diese sei nach dem Tod aus dem Körper aufgestiegen, um als Stern weiterhin ein Teil der Natur sein. Und die Natur allein ist auch die Grundlage des indianischen Horoskops, sprich, das jahretausende alte Studium der Erde bzw. der Natur in ihrer umfassenden Gesamtheit. Den Indianern ist die Erde mit all ihren Bewohnern näher als der Himmel und deshalb sind ihre durchaus stimmigen Prognosen und Charaktertypisierungen aus dem enstanden, was sie berühren, riechen, sehen, hören und schmecken können.
Eines der in der westlichen Welt bekanntesten Horoskope hat einen mit zwölf Tierzeichen gefüllten Tierkreis als Ausgangszentrum, welcher das indianische Medizinrad darstellt. Wie beim westlichen Horoskop ist hier das Geburtsdatum fest mit zwölf verschiedenen Charakterzügen verbunden, die jeweils durch ein Symbol repräsentiert werden. Allerdings ist der Tierkreis bzw. das Medizinrad ausschließlich mit Tieren besetzt. Menschliche Symbole wie zum Beispiel „Zwilling“ oder Sachbezeichnungen wie „Waage“ kommen dort nicht vor.
Der 1992 verstorbenen Chippewa-Medizinmann Sun Bear hat in einer seiner zahlreichen Niederschriften folgenden Vergleich zwischen dem westlichen und dem indianischen Horoskop seines Stammes gezogen:
- Der energische und willensstarke Widder entspricht dem Roten Habicht.
- Der zuverlässige und sinnliche Stier findet seine Entsprechung im Biber.
- Der intellektuelle und vielseitige Zwilling hingegen ist im indianischen Horoskop ein Hirsch.
- Der fürsorgliche und häusliche Krebs wird durch den Specht repräsentiert.
- Der kraftvolle und selbstbewusste Löwe zeigt sich im Stör.
- Die perfektionistische und planende Jungfrau findet sich im Braunbären-Symbol.
- Die ausgeglichene und gerechte Waage wird mit dem Raben gleichgesetzt.
- Der leidenschaftliche und erotisierene Skorpion entspricht der Schlange.
- Der abenteuerlustige und optimistische Schütze stimmt mit dem Wapiti überein.
- Der zähe und ehrgeizige Steinbock schlüpft in das Gewand der Schneegans.
- Der kluge und visionäre Wassermann deckt sich mit der Energie des Otters und
- der sensible und grenzgängerische Fisch stimmt mit dem Puma überein.
Eine andere Überlieferung der indianischen Horoskopdeutung ist die der Cherokee-Indianer. Die Grundlage hierfür ist der Venuskalender, auch Kalender der Cherokee genannt. Dieser ist in dreizehn Zahlen und zwanzig Tageszeichen eingeteilt, die die Charakterzüge derjenigen beschreiben, die unter der Kombination von Zahl und Zeichen geboren sind. In dieser Form des indianischen Horoskops wird die Zugehörigkeit zu einem Zeichen durch die Stellung eines Sterns oder Planeten bestimmt. Denn die Cherokee-Indianer glaubten, dass alles, was auf Erden ist, nur das irdische Spiegelbild eines Sternes (bzw. Planeten) ist. Basis ist aber auch hier nicht die Sternendeutung, sondern die Geschehnisse in der Natur, die in dem jeweiligen Stern wie in einer Art Geschenkverpackung zusammengefasst sind. Hier gibt es dann zum Beispiel den Stern Chaga’see als Widerspiegelung des Zeichens Schilfrohr oder den Planeten Venus, von den Cherokees „Großer Gehörnter Hase“ genannt, als Symbolträger für das Charakterbild des Hasen. Die Tageszeichen sind Schildkröte, Wirbelwind, Feuerstelle, Drache, Schlange, Zwillinge, Hirsch, Hase, Fluss, Wolf, Waschbär, Klapperschlangenzahn, Schilfrohr, Puma, Adler, Eule, Reiher, Feuerstein, Kardinalsvogel und Blume und der Inhalt ihrer Symbolwelt entspricht in etwa auch der westlichen Vorstellung dieser Wesensträger.
Das eigene Tageszeichen mit der dazugehörigen Zahl zu berechnen, ist etwas kompliziert, da es mit unserer Horoskopberechnung nicht zu vergleichen ist. Letzendlich ist das Ergebnis aber genauso ehrlich, deutlich und klar wie die Deutung eines westlichen Horoskops mit Aszendent, Aspekt und Nullfaktor.
